Mozart100 Ultra – Noch nie bin ich länger und weiter gelaufen

“Schaffe ich das wirklich? Ich kann nicht mehr” brachte ich so halbwegs heraus. “Natürlich! Es ist nicht mehr weit. Ich glaub an dich und deinen Körper! Du schaffst das!” hörte ich meine Schwester durch mein Handy am Ohr. Genau das habe ich bei Kilometer 69 des Mozart100 Ultra gebraucht. In diesen Minuten wollte ich nämlich wirklich nur mehr, dass das ein Ende findet.

Was soll ich sagen? Der bisher längste, höchste und weiteste Lauf meines Lebens (75 km / 4000 hm) war ein ständiges Auf und Ab.

Alles begann mit einem Kaffee im Morgengrauen am Kapitelplatz bei herrlich kühlen Temperaturen. Da war die Welt noch in Ordnung 😉

Um 5.45 Uhr wurden die Ultra-Starter von Shuttles abgeholt und zum Start nach Fuschl gebracht. Die Stimmung dort war super: Rund 300 motivierte LäuferInnen, ein engagiertes Team und Live-Musik, die uns beim Startschuss den Rainermarsch spielte.

Um Punkt 7.00 Uhr ging es los und ich fühlte mich bestens. Ich wusste, dass ich gut vorbereitet war und obwohl ich mich 2 Tage zuvor gesundheitlich nicht so gut fühlte, war heute morgen alles ziemlich gut und ich schob die letzten Kleinigkeiten, die ich spürte, auf die Seite.

Zwölferhorn – der höchste Gipfel zu Beginn

In den noch angenehmen Morgentemperaturen liefen wir dem höchsten Punkt der Strecke, dem Zwölferhorn, entgegen. Lange Zeit war die Gruppe ziemlich eng beieinander und ich genoss es, den Gesprächen rund um mich zuzuhören und meine Mitstreiter kennenzulernen.

Kurz vorm Gipfel war die erste Labestation aufgebaut. Ich stärkte mich für die letzten Meter und war oben angekommen völlig beeindruckt von der Aussicht. Es war ein strahlend schöner Tag!

Wolfgangsee
Aussicht vom Zwölferhorn

Ein schnelles Gipfelfoto und schon ging es bergab bis nach St. Gilgen. Dort wartete die erste “volle” Verpflegungsstation auf uns. Ich genoss die Tomaten mit Salz, Soletti und ein Stück Banane. “Theresa ich freue mich, wenn wir uns bald wiedersehen” sagte einer der Helfer zu mir. Ich kannte ihn nicht, aber es ist erstaunlich, wie motivierend es ist, wenn dich bei so einer Herausforderung jemand persönlich anspricht. Sehr sinnvoll also, dass der Name auf der Startnummer steht. 

Mentale Unterstützung

Weiter ging es am Wolfgangsee entlang bis nach St. Wolfgang und dann hinauf auf die Schafbergalm. Ein langer, zäher Anstieg, aber es ging mir recht gut dabei. Auf diesem Abschnitt sah ich zum ersten Mal Läufer, die sich am Wegrand hinsetzen oder einfach  stehen bleiben mussten. Die Hitze machte allen zu schaffen. Ich nutzte mein langsames Tempo und schaltete mein Handy ein, das bisher auf Flugmodus war, um Akku zu sparen. Es musste heute ja viele Stunden durchhalten 😉

Als ich Nachrichten von Freunden und Familie sah, lief es mir kalt über den Rücken. Wie oft hört man den Satz von Sportlern “Ich danke meiner Familie und meinen Freunden, die mich immer unterstützen”. Doch wahrscheinlich macht sich niemand, der das hört, tiefergehende Gedanken, wie die Unterstützung in der Praxis aussieht. Und sie ist wahrscheinlich vielfältig und facettenreich. Doch eine ganz besondere Form davon ist, dass du weißt, dass jemand gedanklich bei dir ist, während du dich stundenlang deiner ganz persönlichen Herausforderung stellst. Das gibt sehr viel Kraft!

Schafberg
Schafbergalm erreicht

Die Labestation erreicht, nahm ich mir erleichtert eine handvoll gesalzener Erdnüsse, ein Hochgenuss! Lange hielt ich mich nicht auf und startete den Downhill. Ich fühlte mich sehr gut und genoss es, beim Hinunterlaufen ein bisschen durchatmen zu können. 

Unten angekommen ging es an der Seepromenade am Wolfgangsee entlang, dessen türkisblaues Wasser unglaublich verlockend aussah. Mittlerweile hatte die Mittagshitze schon volle Fahrt aufgenommen. Es war drückend heiß. Zurück in St. Gilgen freute ich mich auf die Labestation, an der ich mich nun ein bisschen ausgiebiger bediente. Bevor ich den Wolfgangsee hinter mir ließ, nutzte ich noch den letzten Seezugang und kühlte mich ein bisschen ab.

Das nächste Ziel war Fuschl und zu Beginn auf Asphalt und dann auf einer Forststraße legte ich die nächsten Höhenmeter zurück. Möglicherweise hatte ich zu wenig getrunken, jedenfalls spürte ich plötzlich Kopfschmerzen, die mich die folgenden 10 Kilometer begleiteten. Sobald ich einen Bach sah, tauchte ich meinen Kopf ins kühle Nass, was unglaublich gut tat.

Die kleinen Freuden unterwegs

Als ich mich gerade einen Steig hinaufschleppte, sah ich plötzlich einen Mann mit Hut hinter mir und freute mich, ein bekanntes Gesicht zu sehen. Ich begrüßte Jerry mit “Welch Freude in diesen schweren Stunden” 😉 Nachdem er mir versicherte, dass ihm alles weh tat, was zu diesem Zeitpunkt wehtun muss, war er auch schon wieder weg. 

Einmal sahen wir uns noch an der Labestation in Fuschl – er war gerade beim Starten als ich ankam. „Wir sehen uns auf ein Bier im Ziel“ meinte er zum Abschied. Das schien noch unendlich weit weg, doch trotzdem freute ich mich schon jetzt darauf.

An dieser Labestation ging mein erster Weg zum Gartenschlauch, der zweite zu Cola und der dritte zu Tomaten mit Salz. Die Welt war wieder in Ordnung (man wird genügsam bei solchen Anstrengungen ;)).

Große Freude am Fuschlsee

Gut gelaunt und erholt ging ich weiter. Bei einer Straßenüberquerung hielt der Streckenposten die Autos auf, als er mich sah. Ich musste lachen und deutete ihm, dass er sie ruhig noch vorbeifahren lassen konnte. So schnell war ich heute nicht mehr und ich konnte auch keinen Sprint hinlegen, um die Autos möglichst kurz warten zu lassen 😉
Er feuerte mich an und musste ebenso lachen.

Nun stand ein ganz besonderes nächstes “Zwischenziel” bevor – meine Schwester Anna war an der Uferpromenade vom Fuschlsee unterwegs und ich motivierte mich, dass ich so lange laufen würde, bis ich sie sah. Ich hielt es nicht ganz durch, dafür ging es doch ein paar Mal zu oft bergauf. Egal, meine Freude war unglaublich groß, als sie plötzlich vor mir stand 🙂

Fuschlsee
Warum ich wohl so strahle?
Fuschlsee Promenade
Alles easy 😉

Sie begleitete mich etwa 2 Kilometer gehend und laufend und ich war unglaublich froh, dass sie hier war. Zum Glück weiß sie, dass ich in solchen Situationen meine Freude nicht überschwänglich zeigen kann. Das würde zu viel Kraft kosten – körperlich und mental.
Aber sie weiß, was ihr Dabeisein für mich bedeutet. 

Schwester
🙂

Zwischenziele als kleine Höhepunkte

Weiter ging es Richtung Hof, wo die nächste Labestation und auch Anna wieder auf mich warteten.
Es war für mich einfacher, die Gesamtstrecke von 75 Kilometern in einzelne Abschnitte einzuteilen und mich gedanklich von einem Zwischenziel zum nächsten zu bewegen. Mir war unglaublich heiß. Das Kopfweh hatte mittlerweile aufgehört, doch leider spielte nun schon seit einer Weile mein Magen nicht mehr wirklich mit. Mir war unglaublich schlecht. Ich weiß nicht, ob das auch an der Hitze lag oder einfach an der Anstrengung. Jedenfalls wurde das zunehmend problematischer, weil ich fast nichts mehr trinken und schon gar nichts mehr essen konnte. Dabei hätte ich die Flüssigkeit und Energie brauchen können.

Die Hitze des Tages hatte mittlerweile ihren Höhepunkt erreicht und wir waren auf einer Seehöhe von 600 bis 800 Metern unterwegs. Also keine Abkühlung aufgrund der Höhe. Asphaltstraßen zwischen Feldern, kein Lüftchen, kein kühlender Bach in der Nähe. Und dazu immer dieses Unwohlsein. Ich begann irgendwo hier wohl das erste Mal zu kämpfen und es schien, als würde die Strecke überhaupt nicht kürzer werden. Doch irgendwie erreichte ich die Labestation in Koppl doch und ein Gartenschlauch versprach Abkühlung.

Anna erwartete mich strahlend und motivierte mich unglaublich. Ich wagte etwas Neues und trank einen Schluck alkoholfreies Bier. Das war für einen kurzen Moment ganz ok.
Bald ging es mit Anna weiter. Nach einer letzten ordentlichen Portion guten Zusprechens trennten sich unsere Wege wieder.

Abkühlung
Gartenschlauch-Dusche – ein Traum

Einfach laufen, laufen, laufen…

Mehr Feldstraßen, mehr Sonne, weniger Schatten. “Komm, wenigstens bergab müssen wir noch laufen” motivierte mich ein Mitstreiter, als wir auf eine Straße mit einem leichten Gefälle kamen. Er hatte natürlich recht. Ich merkte, dass es mir körperlich, also von den Beinen her, noch recht gut ging. Das war nicht das Problem. Doch das Schlechtsein hörte leider nicht auf. Aber ich stellte immerhin fest, dass es beim Gehen oder Laufen gleich war. Also motivierte ich mich, indem ich mir sagte, dass beim Laufen die Zeit wenigstens ein bisschen schneller vergeht.

Als es auf einer Asphaltstraße den nächsten Hügel hinaufging, hörte ich hinter mir jemanden ziemlich laut und angestrengt atmen. Eine junge Frau, die am 100er unterwegs war, holte mich rasch ein, überholte mich und begann plötzlich bergauf zu laufen. “Schön langsam kann das Ende kommen” meinte ein Mann, der mich kurz danach mit flottem Schritt überholte. “Und bei ihr wurde wohl gerade ein Turbo gestartet” sagte er mit ungläubigem Blick auf die Frau. Es war wirklich unglaublich.

Ich setzte mein eigenes Tempo fort, versuchte zügig bergauf zu gehen, bergab zu laufen und auf flachen Stücken sagte ich mir “Komm, da zappeln wir jetzt locker nach vorne”. Beim Transalpin Run etwa waren das immer die Worte von Petra und interessanterweise kamen sie mir hier wieder in den Kopf 🙂

Meine Uhr zeigte, dass die nächste Verpflegungsstelle bald da sein musste. Mittlerweile freute ich mich zwar nicht mehr auf die Verpflegung an sich, aber ein nächstes Zwischenziel war es trotzdem. Auf einem Feldweg sah ich weiter vorne Anna stehen. “Ich habe einen Löwen gesehen” sagte ich zur Begrüßung. Sie dachte wahrscheinlich, mein Kopf hatte zu viel Sonne erwischt, überspielte das aber gekonnt. Ich genoss die gemeinsamen Meter mit ihr. Auch, weil ich jammern konnte. “Mir ist so unglaublich schlecht” hörte sie mehrmals. Mittlerweile kannte sie auch schon ein paar andere Läufer und die waren ebenso beeindruckt von ihrem Einsatz wie ich! Ich trank ein paar Schluck Wasser, mehr konnte ich nicht zu mir nehmen. 

Durchbeißen

“Wir sehen uns im Ziel” sagte sie mir, während sie mich zum Abschied umarmte. Ich konnte es kaum erwarten!

„Noch einmal Lächeln für die Kamera“ – hat meine Stimmung dann tatsächlich aufgehellt

Ich schleppte mich weiter und kam bei einem Einfamilienhaus vorbei, wo ich schon von weitem die Bewohner in der Einfahrt sah. Ein Becken mit Wasser und ein Gartenschlauch waren vorbereitet. Ich machte es dem Läufer vor mir nach und stellte mich dankend unter die Gartendusche. “Theresa, wie geht es dir?” fragte mich der Bewohner strahlend. Warum kennt der mich? Ah, mein Name auf der Startnummer… Ich stellte fest, dass mein Denkvermögen nach rund 64 Kilometern schon etwas eingeschränkt war. “Blendend… nie besser…” brachte ich heraus. Ich war zu diesem Zeitpunkt wirklich k.o. und konnte nicht einmal mehr richtig sprechen.

Tiefpunkte durchleben. Und überleben.

Der nächste “Höhepunkt” war der Nockstein auf rund 1000 m Seehöhe. Und ich glaube meine Laune war hier auf dem Tiefpunkt. Die Übelkeit verging nicht und das zog mich richtig hinunter. “Wie geht es dir?” fragte mich eine Mitstreiterin, die ich schon den ganzen Tag über immer wieder getroffen hatte. “Schlecht”. “Brauchst du was?”. “Das Ziel”.
Heute kann ich über diese “Konversation” lachen, damals war mir eher zum Weinen zu Mute. Aber ihre gute Laune tat mir irgendwie gut und erhellte mein Gemüt wenigstens ein kleines bisschen für die nächsten Meter.

Nockstein
Pure Energie 😉

Mit “Schritt für Schritt” im Kopf kämpfte ich weiter. Die Motivation hielt aber nicht allzu lange an. Einfach stehen bleiben, das wäre jetzt das Beste. Irgendwann probierte ich das aus, aber das fühlte sich auch nicht gut an. Also weiter.
68 Kilometer ist eine super Strecke. Ich könnte jetzt einfach aufhören. Soweit bin ich noch nie gelaufen und ob ich jetzt durchs Ziel laufe oder nicht, ist eigentlich egal. Einfach hier sitzen bleiben. Mich abholen lassen. Das wäre sicher gesünder. Mit jemandem sprechen, das brauche ich jetzt. Ich rief meine Schwester an. “Schaffe ich das?”. Mit einer (in diesem Moment) fast unerträglich guten Laune motivierte sie mich und gab meinen Zweifeln so gut wie kein Gehör. “Natürlich” Ich warte schon auf dich, also hopp hopp! Vertrau auf deinen Körper. Der schafft das locker! Ich freue mich auf dich!”.

Ihre Worte ließen mir Tränen in die Augen steigen. Ich musste schlucken und tief durchatmen. Sie hatte recht.
Ein überholender Läufer rief mir “Go go go” zu und dann bekam ich auch noch ein paar motivierende Whatsapp Nachrichten.
Es war, als hätte es mein Umfeld gespürt, dass ich in diesem Moment Unterstützung brauchte. Sie haben mir damit über diese mentale Schwäche hinweg geholfen. So sehr, dass ich schon wieder lachen konnte, als ein Streckenposten zum anderen sagte, als ich vorbeikam: “Manche schauen schon echt fertig aus!”
Ein Tipp: Das nächste Mal bitte so, dass es der “fertige” Läufer nicht hört 😉

Nockstein
Hier habe ich mein absolutes Tief schon ein bisschen überwunden 😉
Downhill
Bergab ist es immer leichter

Über unzählige Treppen ging es bergab und wir kamen der Stadt immer näher. Irgendwann hatte ich die Kreuzung vor der letzten Labestation beim ZIB erreicht. “Stop stop, du musst hier über die Straße” rief mir der freundliche Streckenposten zu, als ich bei der roten Ampel nicht einfach stehen blieb, sondern in die “falsche” Richtung weiterging. Ich erklärte ihm, dass ich nicht stehen bleiben kann, weil ich befürchtete dann umzufallen 😉

Kapuzinerberg & Salzburger Altstadt – die letzten Meter zum Ziel

Bei Grün querte ich die Straße und kam zur Labestation. Ich gehe jetzt all-in, dachte ich mir. Es warteten 600 Stufen hinauf auf den Kapuzinerberg und ich habe schon seit Ewigkeiten nichts mehr gegessen. Darum bat ich den Helfer um Schokolade, die hinten verpackt war. Mehr als schlecht werden kann mir nicht und so bekomme ich wenigstens noch ein bisschen Zucker.  Er gab mir ein ordentlich großes Stück. Es schmeckte köstlich. Mit einem Becher Wasser und der restlichen Schoko in der Hand ging ich weiter und war bereit für den letzten Berg. Eins, zwei, drei, vier,… begann ich die Treppen zu zählen. Ich war gespannt, ob es tatsächlich 600 waren und hoffte sehr, dass es nicht mehr waren. Ich blendete alles andere aus und zog mein Tempo durch so gut es ging. Für alle, die sich diesem Rennen auch einmal stellen: Es sind keine 600 Stufen. Es sind 666.

Kapuzinerberg
666 Stufen (!)

Aber das war mit mittlerweile auch schon egal. Ich hatte es geschafft und war unglaublich froh darüber. Und das beste: Ich fühlte mich tatsächlich ein bisschen besser. Und so startete ich den letzten Abstieg – unzählige Stufen hinunter mitten ins Herz von Salzburg.

Salzburg
Salzburg im Abendlicht 🙂

Die Aussicht auf die Altstadt war fantastisch. Mittlerweile war sie schon in die Abendsonne getaucht. Winzige Gassen ging es hinunter und schließlich über die Linzerstraße, wo das Abendgeschäft auf den Terrassen der Restaurants gerade in vollem Gange war, zur Staatsbrücke. “Stop, du musst da rüber” rief mir ein Radfahrer zu. Ich erklärte ihm auch wieder, dass ich bei Rot nicht einfach stehenbleiben konnte, war ihm für seine Aufmerksamkeit aber sehr dankbar! Grün, rüber, am Rudolfskai entlang die letzten Meter. Bei der nächsten Straßenüberquerung winkte mich der Streckenposten sogar bei Rot drüber, weil kein Auto kam.

Der Mozartplatz wirkte wie ausgestorben auf mich und ich wusste nicht genau, wo es lang ging. Ein Läufer, der schon am Heimweg war, bestätigte mir, dass ich richtig war. Am Residenzplatz winkte mir der nächste Streckenposten zu. Immer wieder hörte ich Applaus und Zurufe. Das ging mir durch und durch. Der Nächste winkte und ich lief vor dem Salzburger Dom vorbei, ein erhebendes Gefühl. Mehr Applaus, mehr Zurufe. Und da war es, das heiß ersehnte Ziel. Mit Gänsehaut und feuchten Augen steuerte ich es an. Über den Lautsprecher hörte ich meinen Namen und schließlich das allerletzte “Pieps” für diesen Tag. Die Zielmatte war erreicht.
Ein Pulsmoment, der wohl ganz besonders beeindruckend war und bleiben wird. 

Kapitelplatz
Ziel erreicht 🙂

Ich fiel Anna um den Hals, die hinter dem Zielbogen mit strahlenden Augen auf mich wartete. Es war unglaublich schön, sie hier zu sehen.
Eine ganze Weile konnte ich noch nicht wirklich realisieren, dass ich es geschafft hatte. Und gleichzeitig spürte ich eine enorme Erleichterung.

Einige Minuten gingen wir gemeinsam über den Kapitelplatz, ohne dass ich viel sagen konnte. Ich glaube ich war geistig erschöpfter als körperlich.

Als ich mich ein bisschen gefangen hatte, holte ich mir ein alkoholfreies Bier. Es schmeckte wunderbar, auch wenn mir immer noch nicht so wohl war. Daher konnte ich auch danach noch eine ganze Weile nur wenig essen. 

Aber das war nicht so tragisch. Ich war gesund im Ziel und das war das Wichtigste 🙂

Ziel
Unglaublich erleichtert 🙂

Ein paar Zahlen:
Schlussendlich erreichte ich das Ziel in 13 Stunden 11 Minuten, somit um 1 Stunde 49 Minuten schneller als meine persönliche Wunschzeit, die ich den ganzen Tag über in meinem Kopf hatte.
Von über 300 Startern beim Mozart100 Ultra erreichte ich den 106. Platz (232 kamen insgesamt ins Ziel). Ich wurde 12. Dame und 9. Dame in meiner Altersklasse.

Die Stunden und Tage danach

Nachdem wir das Ziel-Feeling eine Weile miterlebt hatten, machten wir uns müde und zufrieden auf den Heimweg. Als ich gegen Mitternacht mein Bett erreicht hatte, war ich zwar sehr müde, aber geschlafen habe ich trotzdem nicht gut. Dafür musste mein Körper die Stunden danach noch zu viel arbeiten.
Auch die nächsten Tage war ich müde – körperlich und vor allem auch mental. Aber das gehört nach so einer Anstrengung wohl dazu. Mein Magen hatte sich am nächsten Tag wieder beruhigt und auch wenn ich keine großen Mengen auf einmal essen konnte, überkam mich immer wieder ein Hungergefühl 😉

Blicke ich heute auf den Mozart100 Ultra zurück, wirkt alles ein bisschen unrealistisch auf mich. Ich bin erleichtert und zufrieden mit meiner Leistung, gleichzeitig fällt es mir sogar selbst fast ein bisschen schwer, die Tiefpunkte nachzuvollziehen. Es war eine unglaublich spannende und wertvolle Erfahrung, körperliche und mentale Grenzen gleichzeitig zu erahnen. Und zu sehen, dass sie doch nicht ganz so nahe waren.
Denn anstatt an die Grenzen zu kommen, kam ich ins Ziel.

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