Schwarzachtrail Salzburgerland – Zum zweiten Mal am Start

Gleicher Ort, gleiche Strecke, gleiches Ziel. Und doch alles ganz anders als bei meiner ersten Teilnahme am Schwarzachtrail Salzburgerland.

Nicht nur der Start in den frühen Morgenstunden, die erhöhte Teilnehmerzahl und die Jubiläumsstrecke von unglaublichen 84 km und 5000 hm machten das 20. Schwarzacher Lauffest zu einem ganz besonderen Event, das seinesgleichen sucht.

Auch für mich persönlich war der Lauf einzigartig.

3 Uhr morgens. Mein Radiowecker riss mich aus meinem nicht besonders tiefen Schlaf. Zu groß war die Aufregung und die Angst zu verschlafen. 5 Minuten später klingelte mein Handywecker – sicher ist sicher.

Wie ferngesteuert passierten die nächsten Schritte, die vor einem Trail-Bewerb eben so zu tun sind: Duschen, anziehen, Rucksack fertig packen (der Großteil wurde am Vortrag schon parat gelegt), Getränke einfüllen und – das kann ich tatsächlich zu jeder Tages- und Nachtzeit – frühstücken.

Danach ging es nach Schwarzach, wo ab 4 Uhr Frühstück für die LäuferInnen serviert wurde.

Wir kamen um kurz vor halb 5 an, um die Segnung des Pfarrers nicht zu versäumen, die dem Ganzen ein besonderes Flair verlieh.

Die Stimmung war bestens. Trotz der frühen Uhrzeit blickte ich überall in leuchtende Augen und fröhliche Gesichter, die es nicht erwarten konnten, dass es endlich losging.

Um nicht den gesamten Ort aufzuwecken, verzichtete der Organisator auf Musik und einen knallenden Startschuss. Das wurde mir fast zum Verhängnis, denn plötzlich setzte sich die Menge um mich herum in Bewegung und ich war gerade noch dabei, meine Schuhbänder zu kontrollieren. Schnell aktivierte ich meine Pulsuhr und ließ mich von den anderen mitreißen. Jetzt ging es also wirklich los 🙂

 

Sieben Stunden, die wie im Flug verLIEFEN

 

Während des Laufs merkte ich, dass ich mich noch an ziemlich viel vom Vorjahr erinnern konnte. Obwohl ich es manchmal besser finde, nicht so genau zu wissen, was auf mich zukommt, war ich diesmal doch recht froh darüber. Vor allem auf die steileren und dadurch „knackigeren“ Abschnitte war ich besser vorbereitet. Und so „knackig“ waren sie diesmal für mich gar nicht.
Natürlich könnte ich jetzt behaupten, dass ich einfach besser trainiert war. Ich glaube allerdings, dass mir vor allem das Wetter sehr entgegenkam: Mehrere Stunden war es ziemlich nebelig und dadurch angenehm kühl.

Unterwegs am Schwarzachtrail 2
Da kann ich sogar lachen… 😉 © Klaus Spielbüchler

Irgendwann gegen 10 Uhr, als der Nebel noch das Tal einhüllte, blitzte weiter oben plötzlich die Sonne durch die Wolken und die kleinen blauen Flecken am Himmel wurden immer größer. Das Panorama entlang der Strecke war atemberaubend. Vor allem der Blick vom Schneeberg aus, dem dritten der insgesamt vier Gipfel, faszinierte mich.

Morgendämmerung
Langsam setzt sich der blaue Himmel durch
Unterwegs am Schwarzachtrail 3
Die Sonne kommt… 🙂 © Christian Wurzer

„Wenn ihr irgendwo eine Kniescheibe findet, das ist meine“

 

Einen relativ steilen Abschnitt hinauf in Richtung Gambskögerl bestritt ich gemeinsam mit drei anderen TeilnehmerInnen, was mir den Aufstieg um einiges erleichterte. Immer wieder beeindruckend, mit wie viel Humor über Stock und Stein gelaufen, gewandert oder gehumpelt wird. Einer der beiden Herren unserer kleinen Gruppe machte sich über die Schmerzen in seinen Knien so lustig, dass ich aufpassen musste, vor lauter Lachen nicht den Anschluss zu verlieren.

Mir ging es körperlich zum Glück wieder relativ gut. Meine Schuhe habe ich etwas zu eng gebunden, aber – möglicherweise stimmt das Gerücht, dass stundenlanges Laufen die Sauerstoff-Zufuhr im Gehirn einschränkt – es kam mir nicht in den Sinn, sie zu lockern.
Fazit waren leichte Schwellungen, aber wie heißt es so schön, Schmerz vergeht, Stolz bleibt 😉 

Ansonsten kam es mir sehr entgegen, dass ich fertig war, bevor die Hitze des Tages ihren Höhepunkt erreicht hatte. Einige Abschnitte, vor allem auf den letzten Kilometern, die ich im letzten Jahr nur mehr gehend bewältigen konnte, waren diesmal im Laufschritt möglich. An der zweiten Labestation sagte mir der Blick auf die Uhr, dass ich um 18 Minuten früher als letztes Jahr da war. Diese gute Zeit wollte ich nicht durch ausgiebiges „Aufladen“ bei dem bestens gefüllten Buffett verschenken, daher schnappte ich mir nur schnell Essiggurkerl, Kartoffel mit Salz, Cola & Co und machte mich – mit den Worten aus dem letzten Jahr im Ohr, dass zu viel Essen und langes Stehen vielleicht keine so gute Idee sind – wieder flott auf den Weg.

Auf dem Anstieg zum letzten Gipfel, den Hochglocker, wurde mir immer wieder ein bisschen schummrig. Zucker, Salz und Flüssigkeit hatte ich gerade zur Genüge „aufgetankt“, das konnte also nicht der Grund sein. Ich reduzierte das Tempo etwas und konzentrierte mich verstärkt auf meine Atmung. So hatte ich die Situation bald wieder im Griff und war extrem glücklich, als ich das vierte Gipfelkreuz erreichte.

 

Von nun an ging’s bergab

 

Bergab kann ich schnell sein. Und von nun an ging es (fast) nur mehr hinunter. Mit diesem Wissen im Kopf startete ich in den Abschnitt bis zur letzten Labe. Ich verließ mich voll und ganz auf meine Beine. Und das zurecht. Mit einem – für meine Verhältnisse – ziemlich flotten Tempo überholte ich sogar noch drei Mitstreiter. Kurz vor der dritten und letzten Labestation konnte ich es kaum glauben, dass ich sie 25 Minuten früher als im Vorjahr erreicht hatte.

Ich war tatsächlich sehr überrascht von meiner Zeit und vermutlich gab mir das noch einen Energieschub für den Endspurt.

 

„Den letzten Kilometer lass ich es jetzt richtig „dusch’n““

 

Mit diesen Worten im Kopf düste ich die letzten Meter zurück nach Schwarzach. Meine Mama und meine Schwestern hatten in einem Restaurant neben dem Ziel einen Tisch um 12 Uhr reserviert mit der Erwartung, dass ich um etwa 12:30 Uhr an ihnen vorbeikommen würde. Umso überraschter schauten sie zu mir herüber, als ich ihnen zuwinkte und Fredl meinen Namen schon durchs Mikrofon rief.

Überwältigt von der Freude fiel ich ihnen hinter dem Zielbogen in die Arme. Ich hatte es geschafft. Ein wahrer PULSmoment. Und noch dazu um 32 Minuten schneller als im Vorjahr. 47 km 2600 hm und 4 Gipfel in einer Zeit von 07:11:25.
Als ich dann später daheim feststellte, dass ich Platz 14 von 42 Damen erreicht hatte, konnte ich es selbst kaum glauben. Eine solche Platzierung hatte ich bisher noch nie erreicht.

Schwestern im Ziel
Mit meinen Schwestern im Ziel 🙂
DANKE für’s Mitfiebern!! 🙂
Elektrolyte auftanken
Ein verdientes Weizen im Ziel 😉 © Klaus Spielbüchler

Manches ändert sich nie…

 

… und das ist schön so. Trotz der vielen neuen Eindrücke gibt es einige Dinge, die sich wiederholt haben: Die vielen motivierten HelferInnen, die zu jeder Zeit ein Lächeln im Gesicht haben – egal, ob sie um 4 Uhr morgens Kaffee austeilen oder um 12 Uhr in der Mittagssonne an der Labestation deinen Trinkbeutel auffüllen. Die extrem gute Laune aller TeilnehmerInnen, die immer einen Grund zum Lachen finden, auch wenn die Wadln gerade noch so brennen oder der Gatsch auf der Strecke bis ins Gesicht spritzt (oder gerade deswegen? ;-))

Und vor allem die unvergleichbare Energie, mit der Fredl Zitzenbacher „seinen“ Schwarzachtrail organisiert und durchzieht. Ich habe es noch nirgendwo sonst erlebt, dass der Veranstalter selbst zu Beginn an zwei Stellen entlang der Strecke steht, jedem/r einzelnen LäuferIn zujubelt, beim Namen nennt und „seine“ Schäfchen auf „seinen“ Trail entlässt, um sie dann wieder ganz persönlich im Ziel zu begrüßen, mit ihnen einzuklatschen und gemeinsam den Erfolg zu feiern.

Hier ist man kein Platzhalter auf einer Teilnehmerliste, sondern ein Mensch auf dem Trail, der sein ganz persönliches Ziel erreichen will und vom Veranstalter dorthin so gut wie möglich begleitet wird.

Herzlichen Dank dafür!

 

Vielen Dank an Klaus Spielbüchler und an Christian Wurzer für euren großartigen Fotografie-Einsatz vom Berg bis ins Tal!

Und was die Zukunft betrifft: Alle guten Dinge sind doch mindestens drei, oder? 😉

So sehen Schuhe nach 47 km aus
Die Schuhe und Socken waren einmal sauber… 😉

10 Antworten auf „Schwarzachtrail Salzburgerland – Zum zweiten Mal am Start“

  1. Gewaltig Theresa….kannst sehr stolz auf dich sein👍💙
    Und noch was…ein schön geschriebener interessanter Blog von deinem Lauf😃 da will man noch mehr lesen Theresa👍 glg.ERiKa

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